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Susanna Schneeberger

Die Strategin

Blond. Smart. Und als ausgewiesene Strategin bekannt. Die Schwedin Susanna Schneeberger macht zum zweiten Mal in ihrer Karriere Station in Deutschland. 2015 hat sie die  Herausforderung angenommen, das Industriekransegment des amerikanischen Maschinenbauers Terex auf einen erfolgreichen und profitablen Kurs für die Industrie 4.0 zu bringen.

„Du kannst doppelt so viel schaffen, wie du denkst", gab ihr der Vater als Motivation mit auf den Weg. Schneeberger hörte, vertraute und machte. Zuerst zwei Masterabschlüsse, in International Business und European Affairs, dann internationale Karriere: Stationen in den USA, Großbritannien, Frankreich, Schweden und Deutschland folgten. 2002 übernahm sie bei Ixos Software die  Leitung für Strategie, Business Development and Markets. In ihren zehn Jahren dort wurde München ein Stück neue Heimat für die in Uppsala geborene Schwedin.

Heute ist sie wieder in Deutschland, diesmal in Düsseldorf. Das Maschinenbauunternehmen Terex Corporation winkte mit dem Angebot, die weltweite Führung des Segments Terex Material Handling zu übernehmen – der Industriekransparte von Terex, die durch den Kauf des Unternehmens Demag Cranes AG entstanden war und zu einem der führenden Anbieter von Krantechnologien und Services zählt. Das Angebot wollte Schneeberger nicht ausschlagen. Denn eine ihrer großen Aufgaben ist es, die Innovationskraft des Unternehmens mit neuen digitalen Produkten und Services zu befeuern. Von autonomen Kränen ist dabei die Rede, von Industrie 4.0. Für diese Aufgabe kommen ihr die Erfahrungen, die sie in der IT-Branche sammelte, zugute. Nämlich die radikale Fokussierung neuer Angebote auf die Bedürfnisse der Kunden. Und dem Finden von schnellen Antworten darauf. Eine Strategie, die in anderen Branchen noch gelernt werden will: „In vielen Unternehmen fängt man beim Produkt an und versucht es dann Kunden zu verkaufen“, sagt sie. Schneeberger ist ein Kommunikationstalent. Sie schafft es, Menschen zu motivieren und mit auf die Reise zu nehmen. Ihren Führungsstil beschreibt sie als ausgewogene Balance zwischen „strategischem Leadership mit klaren Vorgaben und der Freiheit für die persönliche Entfaltung“.

Für rund 5.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist sie in ihrer Position bei Terex verantwortlich und managt einen Umsatz von mehr als 1 Milliarde US-Dollar. Da ist es wichtig, Menschen mitzunehmen. „Das war nicht immer einfach“, erinnert sich Schneeberger. Die Zeit, die hinter ihr liegt, war nicht ganz frei von Turbulenzen. Die Zeit, die vor ihr liegt, wird es wohl ebenso wenig. Fusionsverhandlungen mit dem finnischen Unternehmen Konecranes stehen an. Da macht sich schnell Unsicherheit unter den Mitarbeitern breit. Und Fragen kommen auf. Etwa: Was wird aus unserer Kranmarke Demag? Stehen Entlassungen an? „In solchen Zeiten ist es wichtig, das Team zusammenzuhalten und zu motivieren“, sagt sie. „Daher möchte ich an die Mitarbeiter positive Signale senden. Zum Beispiel dass wir weiterhin in Innovation, Produktentwicklung und eine Verbesserung der Marktpositionierung investieren wollen, um dadurch zukunftsfähig zu bleiben.“ Das von ihr initiierte unternehmensinterne Programm „Fit for the Future“ soll dabei helfen.    

Geprägt haben Schneeberger ihr Elternhaus und ihre schwedische Herkunft. Der Vater, der sie motivierte. Die frühe Emanzipation der schwedischen Frau – Schweden gilt auch heute noch als eines der emanzipiertesten Länder Europas. So war sie schon früh in ihrer Jugend politisch aktiv. Sie wollte gestalten, nicht nur mittragen. All das sind Gründe, warum Schneeberger heute mit viel Begeisterung und ohne Scheu viel Verantwortung in einer männerdominierten Branche übernimmt. Dabei ist ihr der branchenübergreifende Austausch mit anderen Führungsfrauen bei GenCEO wichtig – er zeigt ihr aber auch, dass es Frauen in Führungspositionen oft noch schwerer haben als ihre männlichen Kollegen.

Genauso wie sich die Frage nach der Rollenverteilung von Mann und Frau in ihrer Beziehung niemals stellte, sieht es die 43-jährige Managerin und Mutter von drei Kindern auch in ihrem Job. Ganz pragmatisch. Letztlich geht es um Herausforderungen, und die sind „egal ob Mann oder Frau, die gleichen“, sagt sie. Viel wichtiger als Rollenbilder ist für sie der Kontakt mit inspirierenden Menschen: “Ich schätze die Dynamik, die entsteht, wenn Menschen aus verschiedenen Branchen mit unterschiedlichen Perspektiven, Erfahrungen und Hintergründen zusammenfinden. Dann kommen meiner Erfahrung nach die besten Ergebnisse heraus.“