Antje Neubauer

Leiterin Marketing Deutsche Bahn AG

Vorstand Generation CEO

Gefragt ... von "Karriereführer"

Was verhindert Frauenkarrieren in den MINT-Unternehmen mehr: die Realität in den Unternehmen – oder vielmehr Vorurteile über diese vermeintliche Realität? 

Ich denke, es gibt hier noch einen dritten Grund, dass Frauenkarrieren in MINT-Unternehmen eher die Ausnahme, denn die Regel sind: Noch gibt es zu wenig ausgebildete Frauen in diesem Bereich. Deutlich machen das auch die jüngsten Zahlen: Knapp 54 % aller männlichen Studienanfänger wählen ein solches Studium, bei den Frauen dagegen sind es lediglich 26 %. Auch wenn die Entwicklung der letzten Jahre eine positive ist und sich mehr Frauen als früher für ein MINT-Studium entscheiden, gibt es hier sicher noch Nachholbedarf. Und an dieser Stelle kommen die Unternehmen und natürlich auch die Gesellschaft ins Spiel: Gesellschaftlich sind Frauen in den klassischen Männer-Domänen, wie im MINT-Bereich, einfach noch nicht wirklich angekommen und das spiegelt sich auch in der Unternehmensrealität wider: Zwar gibt´s inzwischen den einen oder anderen weiblichen Technik-Vorstand oder weibliche Führungskräfte in den technischen Ressorts, aber die meisten dieser Positionen sind nach wie vor männlich besetzt. 

Was muss daher geschehen, um noch mehr Frauen für Karrieren in der MINT-Branche zu motivieren?

Wir sind hier auf einem sehr guten Weg: Viele Unternehmen, auch die Deutsche Bahn, entwickeln personalpolitisch und strategisch im Hinblick auf Frauen in Männerberufen nachhaltige Konzepte, die darauf abzielen, schon Mädchen für diese Berufe zu begeistern. Daneben gibt es auch staatliche Programme und Konzepte, an denen sich Konzerne beteiligen. Die Basis haben wir damit eigentlich schon vernünftig angelegt. Was jetzt noch fehlt, ist die gesellschaftliche Veränderung. Oder anders ausgedrückt: Klassische Männerdomänen gibt es einfach nicht mehr – und das muss in den Köpfen der Menschen ankommen und gelebt werden. Hier haben wir sicher noch die eine oder andere Hürde zu nehmen. 

Der Einstieg ist das eine – die Fortführung der Karriere nach der Gründung einer Familie das andere. Wo hakt es an dieser Stelle in den Unternehmenskulturen? Welche Lösungen und Förderungen fehlen in vielen Unternehmen?

Auch hier gilt: Unternehmens-Konzepte zur work-life-balance gibt es genug. So existieren bei den meisten großen Unternehmen inzwischen selbstverständliche Elternzeit- oder Home office-Lösungen; auch Sabbatical-Angebote gehören dazu – in einer Vielfalt, wie man sich das vor wenigen Jahren noch nicht vorstellen konnte. Auch unser Verhältnis zur Arbeit vor Ort hat sich grundlegend verändert: Warum solle man am heimischen Schreibtisch auch weniger effizient arbeiten können als im Unternehmen? Also, Angebote und Konzepte, auch gelebte Programme, gibt es ausreichend. Allerdings fehlt es auch hier am nötigen gesellschaftlichen backing: Väter, die in Elternzeit gehen, sind immer noch sehr viel weniger akzeptiert als Frauen; ein Sabbatical wird ebenso kritisch beäugt wie der wöchentliche Home office-Tag. Hier müssen wir ansetzen und dafür sorgen, dass moderne Arbeitsmodelle ebenso Shareholder Value generieren wie der heute noch gepflegte 8 bis 12-Stunden Unternehmensalltag.

 Was raten Sie jungen ambitionierten Frauen: Was sollten Sie tun, um Ihre Ziele zu erreichen?

In erster Linie: Haben Sie den Mut, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen und unbequeme Wege zu gehen. Verlassen Sie sich auf Ihren Bauch und weniger auf gesellschaftliches Wohlwollen. Setzen Sie auf Netzwerke, Netzwerke, wie GenCEO, und tauschen Sie sich aus. Holen Sie sich Tipps von Frauen, die es geschafft haben. In zweiter Linie: Vergessen Sie nie, dass Sie eine Frau sind, der heute gerade auch in klassischen Männerdomänen die Türen offen stehen.Sie müssen nur hindurch gehen.