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Wirtschaftserfolg gemeinsam weiblich gestalten.

Hauke Stars im Porträt

Diversity als Selbstverständlichkeit

Sie ist eine der ersten GenCEO-Frauen – und war eine der ersten weiblichen Vorstände eines DAX-Konzerns. Ihre Offenheit für Veränderung und für andere Sichtweisen trägt zu ihrem Erfolg bei.

Hauke Stars ist eine Verfechterin von Diversity. Wer aber die Diskussion auf die Gender-Thematik beschränke, sagt sie, schöpfe nicht das Potenzial der Vielfalt aus. „Es ist bewiesen, dass heterogen zusammengesetzte Teams bessere Ergebnisse erzielen. Vielfalt ist eine Stärke.“ Sie ist bei diesem Thema pragmatisch, lässt sich nicht auf Geschlechterdebatten ein. „Über Diversity spricht man nicht. Diversity lebt man.“

Dabei ist bei Hauke Stars diese Vielfalt und auch Offenheit, unkonventionelle Wege zu gehen, zum Leitmotiv geworden. Mit ihrem Studium der Informatik in Magdeburg begibt sie sich in eine klassische Männerdomäne. Während der Studienzeit fällt die Berliner Mauer – für viele in Ostdeutschland tun sich damit neue Möglichkeiten auf. Hauke Stars möchte sie nutzen.

Mit einem Stipendium der Britischen Botschaft geht sie nach England – und ergänzt ihr Studium um einen Master of Science der Ingenieurwissenschaften. Die Kombination aus IT und Ingenieurwissen öffnet ihr in Deutschland Türen. Ihre Karriere beginnt bei Bertelsmann, wo sie sechs Jahre bleibt und zuletzt strategische Projekte für den Chief Information Officer umsetzt. Auch bei Tochterunternehmen von ThyssenKrupp, ihrem zweiten Arbeitgeber, wahrt sie die Nähe zur IT.

Dann kommt der IT-Gigant Hewlett Packard, bei dem sie fast ein Jahrzehnt bleiben wird. Sie arbeitet für HP in den Niederlanden und in der Schweiz, wo sie als Geschäftsführerin die Länderverantwortung innehat. Das Marktumfeld ist sehr herausfordernd, aber Hauke Stars erreicht eine Trendwende und gewinnt Marktanteile. „Du musst liefern. Zahlen lügen nicht – und sind das beste Argument, um voranzukommen.“

Den nächsten Schritt geht sie bei der Deutschen Börse, die 2012 an ihre Tür klopft. Man habe damals jemanden gesucht, der die IT-Umgebung des Betreibers von Marktplätzen und Handelssystemen zukunftsfähig mache und stärker in den Dienst der Kunden stelle. „Die IT ist kein Kostenfaktor, sie ist ein Wachstumstreiber. Im Rahmen der Digitalisierung, die alle Unternehmen umtreibt, wird das offensichtlich.“ Hauke Stars verantwortet außerdem das Geschäft mit Marktdaten, einem Zukunftsfeld, das sie konsequent ausbaut.

Seit 1. Januar 2016 hat sie eine neue Rolle innerhalb des DAX-Konzerns. Sie verantwortet im Vorstand nun das klassische Börsengeschäft, zu dem der Handel mit Aktien und Anleihen und die Börsengänge gehören, aber auch Finanzierungshilfe für Start-ups, Wachstumsunternehmen unterschiedlicher Größe und den Mittelstand. Damit trägt ihr Bereich eine große volkswirtschaftliche Verantwortung. „Wir unterstützen die Realwirtschaft und damit das Wirtschaftswachstum in Deutschland.“

Ihr Ziel: Der Aufbau eines „Ökosystems für Wachstum“, das Unternehmen in unterschiedlichen Lebenszyklen dabei unterstützt, Investitionsmittel zu beschaffen. Ein wichtiges Thema, denn in Deutschland gibt es ausreichend Kapital, aber zu wenig davon kommt bei vielversprechenden Unternehmen an. „Wir müssen dafür sorgen, dass Unternehmen mit guten Ideen in Deutschland bleiben und diese Ideen unserer Volkswirtschaft zugutekommen“, sagt Hauke Stars. Zu häufig fänden clevere Unternehmer und Unternehmen mit erfolgversprechenden Geschäftsmodellen in Deutschland keine Finanzierung, wanderten daher zum Beispiel in die USA ab.

Problem sei die Anschlussfinanzierung. Mit dem „Deutsche Börse Venture Network“, einer Plattform, die im Juni 2015 ins Leben gerufen wurde und mittlerweile mehr als 100 kleinere bis mittelgroße Wachstumsunternehmen und fast 200 internationale Investoren zusammenbringt, geht ihr Bereich das Problem an. Mit bislang 23 Finanzierungsrunden hat die Deutsche Börse diesen Unternehmen über die Plattform den Zugang zu 720 Millionen Euro Eigenkapital ermöglicht. Mit va-Q-tec ist das erste Unternehmen aus dem Deutsche Börse Venture Network am 30. September an die Börse gegangen. „Weitere werden folgen“, zeigt sich Hauke Stars zuversichtlich.

Warum gerade die Deutsche Börse hier eine entscheidende Rolle übernehmen kann und auch muss, liegt für Stars auf der Hand: „Wir haben neben einer unternehmerischen auch eine gesellschaftliche Verantwortung. Es muss uns gelingen, vorhandenes Kapital mit vielversprechenden Zukunftsideen zu verbinden und so letztlich dafür zu sorgen, dass diese Ideen im Land bleiben.“

Stars ist überzeugt, dass es an guten Ideen nicht mangelt. „Wir haben weder in Deutschland noch in Europa ein Problem mit Innovationen. Was uns fehlt, ist das Bindeglied zwischen investitionsfreudigen Kapitalgebern, die oftmals nicht wissen, wie sie spannende Ideen, die es zu fördern lohnt, finden können, und den Start-ups, die oftmals nicht wissen, wie sie ihre Ideen vernünftig und vor allem erfolgreich finanzieren können.“ Hier nutzt Hauke Stars mit ihrem Team ganz bewusst den zusätzlichen Drive, den die Digitalisierung mit sich bringt.

„Digitalisierung“, sagt sie, „ist ein Katalysator, der alles beschleunigt und auf alle Bereiche Einfluss hat.“ Viele Start-up-Ideen beschäftigen sich mit diesem Thema. „Gewachsene Unternehmen müssen verstehen, dass dieser Trend keine Eintagsfliege ist, sondern unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft nicht nur deutlich schneller macht, sondern auch nachhaltig verändern wird.“ Es gehe um den Dialog, die Vernetzung und Verzahnung von alter und neuer Welt. „Eine kann nicht ohne die andere, beide müssen voneinander lernen, um miteinander wachsen zu können.“

Ganz „nebenbei“ ist die Vorstandsfrau auch Mutter von drei Kindern, einem sechsjährigen Sohn und vierjährigen Zwillingen. Karriere oder Kinder? Eine Frage, mit der sich Hauke Stars nie wirklich beschäftigt hat. „Wenn man will, geht alles.“